Geschichten aus der Schneiderei

Als schon ein dreiviertel unseres Jahres In Tansania vorüber waren, erhielten wir plötzlich die Nachricht, dass unsere Tante heiraten werde. Die vier Mädchen hatten sich über das Jahr schon Kleider gekauft oder schneidern lassen, und waren kleidungstechnisch deshalb gut auf die Neuigkeiten eingestellt. Für uns Jungs tat sich da aber ein kleines Problem auf: Unser Outfit, allen voran meines, bestand zum Großteil immer aus kurzen oder langen Jogginghosen und ausgewaschenen T-Shirts. Für den seltenen Fall, dass wir mal die lokale Kirche besucht haben, hatten wir Hemden und Jeans an.

Mit Bedauern mussten wir feststellen, dass sich keiner dieser beiden Kleidungsstile ernsthaft für eine Hochzeit eignete. Daher mussten wir umdisponieren. Jan hatte schon zu Beginn des Jahres, als wir gerade ein tansanisches Musikvideo anschauten, den Entschluss gefasst, sich einen Anzug aus tansanischem Stoff schneidern zu lassen, ungefähr so einem wie der Sänger aus dem Musikvideo ihn hatte. Nun kam diese Idee in ihm wieder hoch und wurde zur Realität. Anfangs noch nicht überzeugt von dieser Idee waren Jano und ich. Als wir Jan dann aber das erste Mal in seinem neuen Anzug sahen, fassten wir kurzer Hand den Entschluss, dass wir unbedingt auch so einen brauchten!

Mehrere Kitenge-Läden besucht, einen Stoff ausgewählt, ihn gekauft und zum selben Schneider wie vorher auch Jan gebracht. Der erste Anblick des Inneren der Schneiderei brachte mich ein wenig ins Stützen: Der Großteil des Ladens bestand aus einem Friseursalon. In einem kleinen, durch Glasscheiben abgetrennten Raum standen mehrere Nähmaschinen, an denen fleißige Männer und Frauen arbeiteten. Dort machte ich das erste Mal Bekanntschaft mit Marietha Kikombe. Sie ist die Eigentümerin der Schneiderei und hat unsere Aufträge in Empfang genommen. Ihr außergewöhnlich gutes Englisch machte die Kommunikation leicht und schon bald waren wir ausgemessen und wieder zurück im Noah, ein öffentliches Verkehrsmittel (vergleichbar mit einem Familien Van), auf dem Weg in unser kleines Dorf.

Rechtzeitig zur Hochzeit, hatten wir alle unsere maßgeschneiderten Anzüge an und konnten uns, guten Gewissens, an der Seite unserer Mitfreiwilligen blicken lassen. Seither haben wir sowohl aus Tansania, als auch aus Deutschland eine Menge Lob für eben diese Anzüge erhalten. Doch wem gebührt dieses Lob eigentlich?

Die unauffällige Schneiderei, „versteckt“ in einem Friseursalon im Stadtausgang von Moshi, hat uns ungefähr vor einem Jahr die Anzüge geschneidert, die für so viel Aufsehen gesorgt haben.

Im Moment sitzen, in genau dieser Schneiderei, mehrere Schneider mit ihren Auszubildenden und produzieren die Jacken, die du hier bei uns im Shop kaufen kannst. Von Anfang an hatten wir ein wunderbares Verhältnis mit Marietha und all unseren anderen Mitarbeitern und sind sehr froh, dass wir noch lange mit ihnen zusammenarbeiten können!

Tino